Ja. Früher sagte man, wenn man mit 25 Jahren noch keinen Heuschnupfen bekommen hat, dann bekommt man auch keinen mehr. Dies hat sich leider geändert. Heute bekommen Menschen aller Altersgruppen Heuschnupfen und dies auch noch ganz plötzlich.
Das Beste ist natürlich immer, die Stoffe (z. B. Pollen) auf die man allergisch reagiert, zu vermeiden. Dies lässt sich aber in der Praxis nicht immer durchführen. Denn Pollen fliegen oft sehr weit und man kann nicht während der ganzen Pollensaison zu Hause einschließen. Außerdem wird der Pollenflug von Jahr zu Jahr länger und unberechenbarer. Dies liegt unter anderem daran, dass das Wetter „verrückt“ spielt. Im wahrsten Sinne des Wortes „verrückt“ nämlich mancher Pollenflug durch den Klimawandel in einen anderen Monat. So fliegen Birkenpollen bei warmem Wetter oft schon im Dezember statt im Frühjahr. Und so mancher Allergiker fragt sich dann, warum er plötzlich im Dezember statt im Februar Heuschnupfen hat.
Wenn Sie sich wappnen wollen, so informieren Sie sich am besten über die Pollenflugvorhersage, was Sie zur Zeit an Pollen erwartet.
Wir hatten relativ lange kalte Temperaturen und der sehr plötzliche Temperaturanstieg ließ nicht nur mehr Pollen sondern auch Pollen verschiedenster Pflanzen gleichzeitig fliegen. Diese Mehrfachbelastung ließ manchen Allergiker schwerer leiden.
Grundsätzlich gesehen nicht. Denn wenn der Körper einmal eine „Überempfindlichkeit“ gelernt hat, vergisst er sie nur selten wieder. Man kann aber versuchen, dem Körper wieder allmählich beizubringen, dass die Substanzen auf die er allergisch reagiert, eigentlich ganz harmlos sind. Dies macht man zusammen mit einem Arzt mit einer sogenannten „Impfung“, auch „Desensibilisierung“ oder „Hyposensibilisierung“ genannt.
Hierbei bekommt man zunächst ganz wenige, mit der Zeit aber steigende Mengen der Substanz auf die man allergisch reagiert. Die Impfung wird mit Spritzen, Tropfen oder Tabletten durchgeführt. Sie ist langwierig aber oft erfolgreich, insbesondere, wenn man früh damit beginnt, bevor man zu viele verschiedene Allergien hat. Leider stehen nicht für alle Allergien solche Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Fragen Sie bitte Ihren Arzt, ob eine solche Therapie für Sie in Frage kommt.
Allgemein kann man eine Allergie als unangemessene Überreaktion des Immunsystems auf normaler Weise harmlose Substanzen sehen. Man wird nicht mit einer Allergie geboren. Sie entwickelt sich erst bei Kontakt mit körperfremden Substanzen. Meist besteht aber eine erbliche Veranlagung zur Allergie.
Ein wesentlicher Vermittler der Heuschnupfenbeschwerden ist eine körpereigene Substanz namens Histamin. Sie wird beim Allergiker ausgeschüttet sobald er in Kontakt mit der körperfremden Substanz kommt gegen die er allergisch geworden ist, wie z.B. bestimmten Pollen, dem Kot der Hausstaubmilbe, den Haaren von Hund und Katze. Ausgeschüttetes Histamin geht nun direkt an die Organe, an denen die Beschwerden entstehen wie Nase und Augen. Es „dockt“ dort an spezielle Bindungsstellen, den sogenannten Histamin-Fühlern an. Blutgefäße, Tränendrüsen, Sekretdrüsen der Nase, Nervenendigungen der Haut haben solche Histamin Fühler. Blutgefäße werden durch das Andocken erweitert - das führt zu geröteten Augen und einer verstopften Nase. Die Tränendrüsen produzieren vermehrt Tränenflüssigkeit. Die schleimbildenden Zellen der Nase bilden vermehrt Sekret, die Nase läuft. Nervenendigungen der Haut vermitteln den Juckreiz, das Kribbeln in der Nase und das Niesen. Bestehen die Beschwerden länger, kann es zu einer Entzündung der Nasenschleimhaut oder der Bindehaut des Auges kommen.
Sehen Sie hier, was im Körper geschieht.
Da viele körpereigene Überträgerstoffe und Zellen am Allergiegeschehen beteiligt sind, kann man vielerorts therapeutisch eingreifen.
Es gibt Medikamente, die man ohne Rezept in der Apotheke kaufen kann und Medikamente, für die man ein ärztliches Rezept benötigt. Manche Medikamente werden lokal anwendet, wie Nasensprays und Augentropfen, andere Medikamente, werden eingenommen oder gespritzt.
Augentropfen wie Cromoglycinsäure, welche die Ausschüttung des Histamins vermindern, sind ohne Rezept erhältlich. Um hier die volle Wirkung zu erzielen sollte man bereits ca. 2 Wochen vor der Pollensaison mit der Behandlung beginnen, da die Speicherzellen für Histamin in dieser Zeit besser abzudichten sind als nach Eintritt der Beschwerden.
Wirkstoffe wie Azelastin in Augentropfen, Levocabastin in Augentropfen oder Nasenspray oder Tabletten z.B. mit Loratadin oder Cetirizin verhindern das „Andocken“ des Histamins an die spezifischen Histamin-Bindungsstellen, den Histamin-Fühlern, indem sie diese besetzen. Man bezeichnet sie deshalb als Antihistaminika. Sie konkurrieren mit dem Histamin um die Bindungsstellen. Wenn das ausgeschüttete Histamin an den Bindungsstellen ankommt, sind diese besetzt und das Histamin läuft sozusagen ins Leere. Antihistaminika kann man kurzfristig während der Pollenflugsaison anwenden. Sie sind aber auch für die ganzjährige Anwendung geeignet, wie sie z.B. bei Tierhaarallergien oder Allergien gegen Hausstaub manchmal notwendig ist.
Bei einer verstopften Nase während der Hauptpollenflugzeit können Antihisaminika in einer Kombination mit Wirkstoffen verwendet werden, die die erweiterten Gefäße der Nase wieder abschwellen lassen. Man kann wieder freier atmen. Wirkstoffe, die die Gefäße verengen können allerdings nur zeitlich begrenzt verwendet werden, Nasensprays meist bis zu 7 Tagen, Kombinationstabletten mit Cetirizin (Antihistaminikum) und Pseudoephedrin (zum Abschwellen der Nasenschleimhäute) bis zu 2 Wochen.
Alle diese Wirkstoffe können Sie ohne Rezept in der Apotheke erhalten.
Gegen die hartnäckig verstopfte Nase können Entzündungshemmer meist aus der Gruppe der „kortison-ähnlichen“ Substanzen verwendet werden. Auch hier gibt es Nasensprays, die bis zu 4 Wochen ohne Rezept verwendet werden können oder Augensalben, die allerdings rezeptpflichtig sind. Alle „kortison-ähnlichen Wirkstoffe“ zum Einnehmen oder zum Spritzen sind ohnehin rezeptpflichtig.
In der Natur kommen in verschiedenen Pollen, Pflanzen, Früchten oder bei Tieren ähnlich aufgebaute komplexe Moleküle vor. Auch Lebensmittel können solche Moleküle enthalten. Wenn ein Mensch allergisch gegen ein Molekül geworden ist und einem ähnlich aufgebauten Molekül begegnet, kann er auch darauf allergisch reagieren. Man nennt dies eine Kreuzallergie. Typische Beispiele hierfür sind Kreuzallergien zwischen Latex, Banane, Avocado, Pfirsich, Sellerie, Tomate, und dem Milchsaft der Birkenfeige.
Die Sonnenallergie schlechthin gibt es nicht. Die Sonnenallergie ist vielmehr ein Sammelbegriff für verschiedene krankhafte Hauterscheinungen, die unter der Einwirkung von Sonnenlicht auftreten. So unterschiedlich die Ursachen der Sonnenallergie sind, so unterschiedlich sind auch die Erscheinungsbilder, die vorbeugenden Maßnahmen und die Behandlung.
Die wohl bekannteste Sonnenallergie ist die Mallorca-Akne. Die Mallorca-Akne, so genannt weil sie häufig unter südlicher Sonne wie auf Mallorca auftritt zeigt sich mit kleinen Knötchen, gern im Dekolleté. Sie entsteht wenn durch UV-Einstrahlung reaktionsfreudige Moleküle mit ungepaarten Elektronen, sogenannte Radikale entstehen, die entweder mit dem eigenen Hautfett oder dem Fett von Sonnenschutzmitteln reagieren. Hilfe bieten hier fettfreie Sonnenschutzgele mit hohem Lichtschutzfaktor.
Die „Allergie-Impfung“ im Fachjargon als „Desensibilisierung“ oder „Hyposensibilisierung“ bezeichnet, gilt als einzig mögliche zumindest vorübergehende "Heilung", da sie dem Körper langsam beibringt, dass er sich an die allergieauslösenden Substanzen wieder gewöhnt und nicht mehr im Übermaß darauf reagiert. Die als Impfung bezeichnete Therapie kann man mit Spritzen oder auch mit Tropfen bzw. Tabletten zum Einnehmen beim Arzt durchführen. Es ist eine längerfristige Therapie notwendig und es gibt auch nicht für alle Allergene (Allergie-auslösende Substanzen) eine passende "Impfung".
Kortison ist ein lebenswichtiges körpereigenes Hormon. Es greift in vielfältiger Weise in den Stoffwechsel und das Immungeschehen ein. Ausgeprägte Allergiebeschwerden gehen oft auch mit einer Entzündung einher, die durch die überschießende Reaktion des Immunsystems gesteuert wird. Kortison ist ein ausgezeichneter Entzündungshemmer. Ob Kortisonpräparate Nebenwirkungen hervorrufen hängt von der Art des Kortisons, der Dauer seiner Anwendung und der Darreichungsform ab. Bei lokal angewendetem Kortison, wie z.B. kortisonhaltigen Nasensprays, gelangt nur ein geringer Anteil des Wirkstoffes in den Körper, so dass bei bestimmungsmäßigem Gebrauch keine besonderen Nebenwirkungen zu erwarten sind. Die lokale Wirkung ist sehr gut. Beachten sollte man allerdings, dass die volle Wirkung erst mit einer Verzögerung von 2-3 Tagen zu erwarten ist, da sich die Entzündung nur langsam zurückbildet.
Grundsätzlich wird die Müdigkeit oft durch die Allergie selbst hervorgerufen. Augentropfen und Nasensprays mit Antihistaminika (Wirkstoffe, die Histamin-Bindungsstellen im Körper besetzen) machen in der Regel nicht müde, da nur eine geringe Wirkstoffmenge in den Körper kommt. Tabletten mit Antihistaminika können zum Teil müde machen. Insbesondere die sogenannten Antihistaminika der 1. Generantion wie Diphenhydramin führen häufig zu Müdigkeit, weil sie auch Histamin-Bindungsstellen im Gehirn besetzen und dort Müdigkeit vermitteln. Neuere Antihistamninika der 2. Generation wie z.B. Cetirizin führen dagegen seltener zu Müdigkeit, weil sie nur sehr geringen Einfluss auf Histamin-Bindungsstellen im Gehirn haben.
Heuschnupfen betrifft in der Regel zunächst Nase und Augen. Bei langfristig bestehenden Heuschnupfenbeschwerden kann aber eine chronische Entzündung der Nasen- und Rachenschleimhaut entstehen. Die Flimmerhärchen, die normaler Weise Fremdkörper auch Pollen daran hindern, in die tiefen Atemwege der Lunge zu gelangen, werden in ihrer Funktion negativ beeinträchtigt und die Fremdkörper können mit der Zeit tiefer in die Atemwege eindringen. Ein allergisches Asthma kann entstehen. Es ist daher sehr sinnvoll, Heuschnupfen zu behandeln auch wenn er noch keine massiven Beschwerden macht. Eine frühzeitige Therapie kann helfen, das Asthma-Risiko zu vermindern.